

Regionalgruppe Neckaralb
Deutsche Olympische Gesellschaft (D.O.G.) e.V.
Aus dem Buch von Harry Valérien über die Olympischen Spiele 1976, Copress-Verlag, München
Interview:
50 Jahre später - John Naber und der alte Glanz Olympias
Im August 1976 erhielt ich von dem deutschen Schwimmexperten und ZDF-Reporter
Harry Valérien die Adresse von John Naber zugesandt - der damals Student von Psychologie und Sport der Universität von Süd-Kalifornien war und heute in Pasadena wohnt - als dieser bei den XXI.Olympischen Sommerspielen im Juli 1976 in Montreal jeweils in Weltrekordzeit vier Goldmedaillen und eine Silbermedaille über seine Spezialdisziplin Rückenschwimmen gewann
- wie im Vorbeigehen, immer den Zuschauern auf der Tribüne lässig zuwinkend.
Den Journalisten gestand er offen, an den Gott der Bibel zu glauben.
Die Sport-Presse in Deutschland überschlug sich in Lobeshymnen auf ihn, nicht zuletzt er den
seit 1968 fast unbesiegbaren König der Rückenschwimmer, Roland Matthes aus Erfurt in der damaligen DDR, entthront hatte.
Als ich ihm jetzt einige Berichte aus den ´Stuttgarter Nachrichten` und der ´Frankfurter Allgemeine Zeitung` von damals zugesandt habe, schrieb er mir, daß er bei deren Lektüre ´errötet` sei.
Wie sieht es heute mit John Naber aus - genau ein halbes Jahrhundert später ?
Auf seiner Homepage konnte ich nichts mehr über seinen Glauben als Motivation lesen,
jedoch daß er seit seinen Erfolgen für die christlich beeindruckte Organisation ´Athletes in Action`
mit Vorträgen unterwegs ist.
Und nachdem er nicht wie viele andere mehrfache Goldmedaillengewinner bei Olympia Profi werden
und lukrative Werbeverträge abschliessen wollte, wurde er von führenden TV-Sendern Nordamerikas
bis heute als Reporter und Moderator engagiert.
Zudem gelegentlich als Schwimmtrainer für ambitionierte amerikanische Nachwuchs-Schwimmer ist
er auch als Autor einiger (leider nur in englischer Sprache veröffentlichter, mit höheren Versandkosten nach Deutschland, als diese selbst kosten) Bücher hervorgetreten, welche er unter dem Motto ´ITOS` - In the olympic spirit - geschrieben hat. Damit will er aus eigener Erfahrung den Betrachtern und dem sportlichen Nachwuchs Olympischer Spiele den Sinn solcher Veranstaltungen erklären.
Tatsächlich hat der jetzt 70jährige, 2.01 Meter große John Naber mir alsbald auf meine ihm über
das Kontaktformular seiner Homepage und dann per Email zugesandten Fragen alsbald geantwortet.
Hakenmüller: Mr. Naber, im Jahr 1976 erhielt ich Ihre Adresse (damals in Menlo Park) von dem deutschen Schwimmexperten und Reporter Harry Valérien, da ich fasziniert war von Ihrem entspannten Auftreten,
als Sie bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal vier Goldmedaillen gewannen, und dass Sie erzählten und anboten, an den Gott der Bibel zu glauben.
Naber: Meine gelassene Art war zum Teil meinem Glauben geschuldet, aber auch der bedingungslosen Liebe und Unterstützung meiner Eltern und Trainer. Ich war nicht von meinen Schwimmleistungen abhängig, um mich geliebt oder wertgeschätzt zu fühlen.
Hakenmüller: Und wie sieht es heute damit aus?
Auf Ihrer Homepage konnte ich nichts über Ihren Glauben und Ihre Motivation hierfür lesen.
Naber: Ich bin nach wie vor ein „überzeugter Christ“ und bete regelmäßig.
Hakenmüller: Nach meinem Schulabschluss 1976 studierte ich acht Jahre lang Sport und Deutsch, während ich im Bundesleistungszentrum (BLZ) in Heidelberg meine Schwimmfähigkeiten noch weiter verbessern konnte. Dort betrachteten und analysierten wir spezielle Videos von Mark Spitz mit seinen neuen Techniken des sog. ´Schlüsselloch`-Schwimmstils im Kraul- und Delphinschwimmen.
Mark Spitz - neunfacher Goldmedaillengewinner (1968 und 1972) - mit dem Spitznamen ´The Shark` - der Hai -
bevorzugte die von seinem Trainer James Counsilmann entwickelte sog. Keyhole-Technik beim Rückzug der
Arme durch das Wasser in der Form eines Schlüssellochs, um so den Wasserauftrieb besser zu nützen.
Foto: Wiki-Commons
Naber: Auch ich habe mich mit Filmen von Mark Spitz beschäftigt. 1984 veröffentlichte ich ein Video mit dem Titel „Gettin ' Better: Championship Swimming with John Naber“. Ich glaube nicht , dass es noch erhältlich ist.
Hakenmüller: Welche der in dem ´Wikipedia`-Artikel über Sie beschriebenen „neuen Techniken“ haben Sie insbesondere beim Rückenschwimmen angewendet?
Naber: Zu meinen Rückenschwimm-„Innovationen“ gehörten eine „Sitz-und-Drehung“-Wende (anders als der Rückwärtssalto) und ein Rückenschwimm-Sprung (anstelle des regulären Starts), bei dem ich versuchte, mich in die Luft zu katapultieren und dann ins Wasser zu tauchen. Diese Wende wurde mit der Regeländerung überflüssig, und die Technik wird heute dank des „Keils“, den Rückenschwimmer beim Start verwenden können, weit verbreitet praktiziert.
Hakenmüller:
Eine weitere Schwierigkeit beim Rückenschwimmen besteht darin, sich während des Schwimmens zu orientieren, ohne das Ende zu sehen und/oder die Linie gerade zu halten (auch wenn die Wettkampf-Linien diesbezüglich nicht so anspruchsvoll sind).
Wie orientiert Sie sich dabei?
Selbst Schwimmbadbauer wie „Behnisch & Partner“ wissen heute nicht so recht, wie sie dieses Problem lösen sollen.
Zum Beispiel durch eine entsprechende Gestaltung der Decke über dem Becken, sodass man beim Rückenschwimmen die Fliesen „zählen“ kann, um zu erkennen, wann das Ende der Bahn naht und wie schnell man tatsächlich ist.
Naber: Was Ihre Frage zur Orientierung von Rückenschwimmern angeht: Mit leicht eingezogenem Kinn konnte ich den Startblock sehen, während ich von ihm wegschwamm. Ich hielt meine Füße in Richtung Startblock gerichtet, und nach 25 Metern konnte ich mich dank meines peripheren Sehvermögens zwischen den Bahnleinen halten. Die Rückenschwimm-Fahnen (die 5 Meter von der Wand entfernt über dem Wasser hängen) warnten mich, dass sich die Wende näherte, und halfen mir, die Wand vorauszusehen.
Ich hoffe, das war hilfreich.
Hakenmüller: Sind Sie auch der Meinung, dass es für olympische Schwimmwettkämpfe notwendig ist, zwei weitere Bahnen zu haben, damit die von links und rechts des Beckens kommenden Wellen die direkt außen schwimmenden Teilnehmer nicht behindern und „ausbremsen“?
Müsste beispielsweise das schöne olympische Schwimmbecken von München 1972 um viele Millionen Euro vergrößert werden müsste, falls München den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2036 oder 2040 erhält?
Naber: Meiner Erfahrung nach bevorzugen Sprinter die äußeren Bahnen, da dort die Turbulenzen geringer sind, da sich die Gegner nur auf einer Seite befinden. Außerdem sind die meisten Schwimmbecken auf eine Größe von 50 mal 25 Metern ausgelegt.
Das Hinzufügen weiterer Bahnen würde diese Abmessungen verändern.
Hakenmüller: In meinem geplanten Buch über Nachkarrieren olympischer Sportler möchte ich Sie erwähnen, da ich darüber nachdenke, dass erfolgreiche Sportler später Motivationstrainer wurden.
Was ist Ihr heutiger Beitrag, um dies weiter voranzutreiben?
Naber: Mir wurde früh klar, dass die Fähigkeit, schnell auf dem Rücken zu schwimmen, für die Gesellschaft im Allgemeinen von geringem Wert war… also beschloss ich, das, was mir der Sport (und anderen) beigebracht hatte, in Form eines „Motivationsredners“ an die Geschäftswelt weiterzugeben. Ich wurde auch eingeladen, als „Expertenanalyst“ für meine Sportart im Fernsehen zu arbeiten, was zu einer jahrzehntelangen Karriere als Sportreporter führte (30 verschiedene Sportarten und Berichterstattung von 10 Olympischen Spielen).
Hakenmüller: In Deutschland ist seit einigen Jahren ein großer Mangel an Schwimmunterricht
bei Kindern zu beobachten, da diese lieber mit ihren Smartphones spielen.
Was würden Sie tun bzw. vorschlagen, um dies zu vermeiden?
Naber: In Amerika liegt die Verantwortung bei den Eltern. Einige Schulen verbieten auch die Handynutzung während des Unterrichts. Ich finde das eine gute Idee.
Ganz nebenbei: Mein Schwimmidol war Roland Matthes (aus der DDR). 2016 besuchten er und seine Frau mich in Kalifornien, und wir verbrachten drei schöne Tage zusammen. Wir schauten uns die Rückenschwimmwettbewerbe der Olympischen Spiele in Rio von meinem Sofa im Wohnzimmer aus an. 2024 lud ich seine Frau (mittlerweile Witwe) ein, mit mir und meiner Familie nach Paris zu fahren, um die Rückenschwimm-Wettbewerbe ebenfalls zu sehen. Olympische Wettkämpfe schweißen ehemalige Gegner zusammen und machen sie zu guten Freunden.
Hakenmüller: Sind das Ihre Hände, welche da betend aus dem Wasser ragen,
auf einem Foto, welches für einen Bericht von mir über Beten bei Olympia und Sport
in der Zeitschrift ´Olympisches Feuer` veröffentlicht wurde ?
Naber: Ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, ob auf Ihrem Foto meine zum Gebet gefalteten Hände zu sehen sind, aber ich gebe zu, dass ich nach einem Rennen oft meinen Dank zum Himmel gesandt habe.
Ich bin der Überzeugung, dass der ideale psychische Zustand vor einem Rennen eine hohe Motivation bei gleichzeitig geringem Leistungsdruck ist. Da ich daran glaube, dass Jesus mich bedingungslos liebt, verspüre ich kaum Leistungsdruck, aber meine Motivation ist immer sehr hoch. Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.
Hakenmüller: Ich wundere mich, dass Sie nicht schon früher bei den Schwimmweltmeisterschaften
1973 in Belgrad und 1975 in Cali an den Start gegangen sind.
Dass Sie 1978 in Ost-Berlin nicht angetreten sind, kann ich rückblickend ein wenig nachvollziehen.
Denn bei den folgenden Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau musste das US-Team einen Boykott durchführen, und selbst wenn du zu dieser Zeit der Beste oder Stärkste gewesen wärst, hättest du das nicht unter Beweis stellen können.
Betrachtet man Ihre olympische Karriere, fällt auf, dass Sie als Athlet nur über zwei Jahre hinweg international an den Start gegangen sind. Ich weiß nicht, was Sie in Ihren später verfassten und veröffentlichten Büchern über den olympischen Geist schreiben (es ist schade, dass man diese Bücher nur bei Anbietern kaufen kann, die so hohe Versandkosten ins Ausland berechnen, dass diese genauso hoch oder sogar höher sind als die Bücher selbst), aber offensichtlich erfordern der olympische Geist und eine olympische Karriere – nicht nur für mich – eine viel aktivere Teilnahme über einen langen Zeitraum hinweg und die Teilnahme an mehreren, mindestens zwei Olympischen Spielen.
Wir kennen also olympische Helden, die einfach „zurückgekommen“ sind – sei es, weil sie beim ersten Mal zu wenig Erfolg hatten, oder weil sie ihren einst errungenen Erfolg wiederholen und bestätigen wollten, um zu zeigen, dass dieser nicht nur Glück oder Zufall war, sondern echtes Können und Talent sowie hartes und beständiges Training*.
Ich denke, der beste Weg, den wahren olympischen Geist zu erreichen und zu zeigen, ist, nach einem Sieg oder einer Niederlage zurückzukommen. Zu zeigen, dass die Teilnahme und der Wettkampf bei den Olympischen Spielen – egal wie oft – das Wichtigste ist.
Naber: Danke für Ihre Geschichts-Lehrstunde.
Ich mag es nicht, Ihnen zu widersprechen, jedoch schwamm ich bei den ersten Schwimm-Weltmeisteschaften in Belgrad 1973. Ich gewann die Bronzemedaille über 200 Meter Rücken. Roland (Matthes) gewann Gold (natürlich).
Viel Erfolg mit Ihrem Buch. Ich beabsichtige, wieder einmal nach Deutschland zu kommen !
´ITOS` - In the olympic spirit !
Appendix:
Report and text by M. Hakenmüller to John Naber
*For this I mention Mark Spitz (after having won ´only` two goldmedals in Mexico-City 1968),
laying focus on mental training.
Franziska van Almsick, which the first as 15years old girl in Barcelona 1992
with much surprise won four medals (two silver, two bronce) in swimming,
than as favourite in Atlanta 1996 only two silver and one bronce-medal,
in Sydney once more only a bronce one and at least in Athen two broncemedals. But never a golden on !
Meanwhile she won 2 world-championship-titles and 18 european-championship-titles
(in Sheffield 1993 six together and in Wien five together).
However early she got a clever manager who made her in Germany
a star for marketing and winning much more money than gold,
after ending her career she began with an own fonds
engaging for swimming, all above giving and collecting money for swim-teachers,
when the public hand couldn´t and cannot afford.
Franziska van Almsick diving in new ´Opel Tigra` under a boulevard
in New York, 1995 (making this video see also ´YouTube`)
Another example for olympic-spirit is Ulrike Meyfarth, who won
as 16years-old-girl gold in high-jumping in Munich 1972 and after
two disapppointing defeats once again gold in Los Angeles 1984.
The same Heike Drechsler, who won for Eastern-Germany two time
bronce in Seoul 1988 in 100 and 200 meters and silver in
long-jumping, then 1992 for reunited Germany in Barcelona gold
and once more gold in long-jumping in Sydney 2000.
All above looking at the career of Oleg and Ludmilla Protopopow
from USSR, who beginn with figure-skating only when they were
15years old, then won two times gold at the Olympic Winter-Games
in Innsbruck 1964 and Grenoble 1968 (when they had the age of
more 35 years). Later they could and wanted to start once more
in Sapporo 1972, but for the USSR their famous balletlike style of figure-
skating (in german so called: ´Eiskunstlaufen`) seemed to be less
sportive.
I myself met with them personally and saw, that this couple had
incorporated his discipline - until they became more than eighty
years old and went away from communism for living in Switzerland
they could be admired not only by ´Holiday on Ice` and other revues,
but also whereever they showed themselves together, they performed
and danced in public, always looking for new talents.
The Protopopows competing and celebtraing on ice still in higher age
Comparing this the life of Sonja Henie, three times following gold-medail-winner
in ice-figure skating at the olympics in St. Moritz 1928, Lake Placid 1932
and Garmisch-Partenkirchen 1936 isn´t such an example, for she dedicated
her olympic success in an overboarding way of life with luxury and husbands.
How you can make it false showed Katharina Witt, so called ´the finest face of DDR`.
when they became invictable between 1982 and 1988 winning all championsships
she participated and two times the olympic goldmedal in Sarajevo 1984 and Calgary 1988.
Then after uniting Western and East-Germany however having won good money
with ´Holiday on Ice` she feared to be forgotten and started to make also athlete
between the young german talents in figure-skating.
However she hasn´t been the best she has been sent as representator of glory
and athlete to the olympic Winter-Games in Albertville 1992, where she won with great luck
only the seventh place and disappointed her collegues in team.
Over that her nimbus for knowing excellent ice-figure-skating with great charme was over,
not at least meanwhile she has become to fat for jumping on ice.
I ask myself, why you haven´t competed before Montreal 1976 at the world-
championships in Belgrad 1973 and Cali 1975.
That you didn´t compete at the following in East-Berlin 1978 looking-back
I can a little bit understand.
For at the following Olympic Summer-Games in Moskau 1980
the U.S.-team had to make a boykott, and even if you would have been the best or strongest
at that time you couldn´t show this.
Thomas Bach still today is ´suffering` or regretting, that also the german chancellor
Helmut Schmid decided a boycott of this Games. So that Bach couldn´t win the
with great effort and convincement longed single-gold-medal
in florett-fencing - after having won a gold-medal with the team in Montreal 1976.
Therefore psychological to heal this experience, he began his olympic career as an official,
first speeker for the athletes in IOC til becoming at least the president of the IOC.
Michael Hakenmüller; M.A.
Joseph-Wolf-Straße 18
72379 Hechingen
(07471/9301096)
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Abbildung aus einem Bericht von Michael Hakenmüller in der Zeitschrift
´Olympisches Feuer`, Frankfurt/M., 1989, über Beten bei Olympia und im Sport


